daniels schwedentagebuch

 

daniel ist wohlbehalten in stockholm angekommen und wird uns bald hier mit dem ersten eintrag erfreuen. bis dahin schonmal hier die ersten fotos vom und vorm hinflug nach stockholm .........

 

  
 

 

 

... auf den ersten eintrag müssen wir noch a bissl warten, aber dafür gibt´s schon mal die ersten bilder aus stockholm.

 

 

 

 

1. Tag: Sonntag, 3. August 2003

Nach guten 3 Stunden Autofahrt und zwei Stunden Flug bin ich wohlbehalten auf schwedischem Boden angekommen. Vom Flughafen bis nach Stockholm sind wir allerdings noch einmal fast 2 Stunden unterwegs gewesen. In Stockholm angekommen hat uns ein Verwandter von Haralds Freundin Cecil mit dem Auto abgeholt. Er ist mit uns ein bisschen durch die Stadt gefahren; leider hab ich nur gar nichts verstanden, weil er auf Schwedisch geredet hat. Aber der erste Eindruck der Stadt war auf jeden Fall gut. Danach haben wir unsere Zimmer gesucht. Zunächst sind wir zu Haralds Wohnung in das größte Studentenwohnheim Stockholms gefahren: Lappis. Eine riesige Anlage; Haralds Zimmer hat ein wenig dreckig gewirkt. Dann sind wir schließlich zu meiner Wohnung gefahren: in einem wunderschön renovierten Gebäudekomplex gelegen, als Teil von einer anderen Hochschule, der Lehrerhochschule. Meine Zimmer hat phänomenal neu ausgesehen, eine eigene Küchenzeile ein großes Bad und sogar zwei Betten. Äh?! Ja, zwei Betten. Und sogar ein Schlafsack lag schon da und Klamotten. Der Strohhalm, dass es vielleicht noch dem Vormieter gehört, ist ziemlich schnell eingeknickt. Meine Laune war ziemlich im Keller. Dann sind wir noch zu dritt in die Stadt gegangen, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Wir waren im berühmten Åhlens, dem bekanntesten Kaufhaus Stockholms. Haben im Untergeschoss Essen eingekauft. Hier gibt es Milch mit 0,5% Fett, Saftkonzentrate in allen Geschmacksrichtungen, aber kein vernünftig aussehendes Landbrot. Ich bin dann wieder nach Hause gefahren. Das erste Mal alleine mit der Tunnelbana. Zuhause angekommen habe ich meinen Mitbewohner kennengelernt: Niels. Ein Wirtschaftsinformatiker aus Darmstadt. Hab ich noch nie vorher gesehen. Hat ein bisschen sehr cool und etwas distanziert gewirkt. Er ist mit einem Freund gekommen und die beiden haben gekocht. Am Abend hab ich dann noch ein paar Leute aus meiner Nachbarschaft kennengelernt. Viele Italierner, viele Deutsche, ein paar Franzosen und noch keine Schweden. Der erste Tag war alles in allem doch erst einmal sehr enttäuschend.

 

 

100. Tag: Dienstag, 11. November 2003

So, jetzt bin ich also schon 100 Tage im schönen Stockholm. Zeit für ein kleines Fazit. Also über die Stadt an sich, kann man eigentlich nur Positives berichten. Wunderschöne alte Gebäude, sehr viel Wasser und auch ziemlich viel grün. Auf Kungsholmen, der Insel auf der ich wohne, gibt es eine wunderschöne Uferpromenade. Und den angeblich schönsten Strand Stockholms gibt es hier auch. Nicht wirklich groß, aber es war doch sehr nett sich dort im August die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Die Chance mit dem Kajak durch die Stadt zu paddeln haben wir uns auch nicht nehmen lassen. Ein schöner aber auch recht anstrengender Sport.

Wirklich viel Kontakt mit Schweden hab ich leider immer noch nicht. Irgendwie kapselt man sich dann doch immer in seiner deutschen Gruppe ab. Andererseits gibt es hier eben aber nun mal einfach verdammt viele Deutsche. Es ist ja nicht so, dass man sich extra suchen würde. Mit einem Norweger, Martin, verstehe ich mich auch ganz gut. Ich versuch immer mit ihm Schwedisch zu reden. Schwedisch/Norwegisch ist kein besonders großer Unterschied. Was sich hier allerdings auf jeden Fall verbessern wird, sind meine Englischkenntnisse. Wobei ich auch gleich beim Unileben wäre. Meine bisherigen Kurse waren er nicht besonders spannend, aber das war bei den meisten Kursen in Darmstadt auch nicht anders. Komplett anders ist allerdings die Tatsache, das man ständig Aufsätze zu irgendetwas schreiben muss. Im doch sehr seltsamen „Advanced Marketing" Kurs hab ich zusammen mit Harald und Anna auf knapp 60 Seiten die Rolle der königlichen Familie von Schweden als Marke untersucht. Eine doch sehr wichtige Arbeit für die Nachwelt. Meinen Englischkenntnissen hat es auf jeden Fall geholfen.

Wie es mir mittlerweile hier in Stockholm gefällt? Hmm. Das weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Dass Familie und Freunde so weit weg sind, ist schon ziemlich dumm. Dazu kommt vor allem auch noch, dass Maja keinen Sinn mehr in unserer Beziehung sieht und Schluss gemacht hat. Manchmal fühlt man sich doch ganz schön einsam so weit weg. Aber es hat ja auch keiner gesagt, dass es einfach wird. Ich schaue frohen Mutes nach vorne: es wird schon besser werden.

Feiern kann man hier in Stockholm auf jeden Fall richtig gut. Unzählige Clubs kann man am Stureplan finden, unter anderem auch die legendäre Spybar. Leider war ich selber noch nicht drinnen, aber hab es schon fest eingeplant, schließlich schwingt hier auch manchmal Prinzessin Madeleine das Tanzbein. Immer einen Besuch wert ist auch das Berns. Ein Club der zum Grand Hotel gehört. Dementsprechend ist das Ambiente auch. Wo findet man sonst schon Kronleuchter in der Disko. Die gängige Altersgrenze hier in Stockholm liegt übrigens bei 23 für Männer und 20 für Frauen. Der große Nachteil hier am Feiern in Stockholm ist allerdings die Tatsache, dass es verdammt teuer ist. 47 Kronen umgerechnet 5 € muss man für ein Bier schon einplanen. Deshalb gibt es hier auch eine sehr exzessive Kultur im Vorglühen, das so genannte Förfesten. Die meisten Schweden fassen Alkohol nur dann an, wenn sie vorhaben sich total wegzuknallen. Typisch Schwedisch ist auch, dass man nach dem Diskobesuch noch ein Efterfest macht. Allerdings hab ich das selbst noch nicht miterlebt. Der Sinn ist mir sowieso recht schleierhaft.

Das Wahrzeichen des Nordens hab ich mittlerweile auch schon bewundert. Einen Elch!! Ein wirklich sehr imposantes Tier. Wenn man einen Elch anfährt, wird das schon mehr als ein Blechschaden. Ein männlicher Elch kann bis zu einer Tonne schwer werden. Allerdings sind das eher recht gemütliche Tiere...

 

 

250. Tag: Freitag, 9. April 2004

 

Es sind also schon wieder 150 Tage vergangen, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe...Tagebuch ist wohl etwas übertrieben. In den letzten 150 Tagen hab ich allerdings doch einiges erlebt.

An der Uni ist bisher eigentlich alles super gelaufen. Allerdings muss ich sagen, dass meine dritte Periode doch etwas stressig war. Ach so: nein, ich hab keine Menstruation, Periode nennt sich hier ein halbes Semester. Das sind immer sieben Wochen Vorlesungen und Übungen an die sich dann eine Prüfungswoche anschließt. Insgesamt gibt es vier Perioden pro Jahr. 4x7 ist aber nicht 56 sondern nur 28 woraus sich doch ergibt, dass man hier in Schweden auch noch genügende Freizeit im Jahr hat. Allerdings ist die Zeit in der Periode verdammt stressig, weil man ständig irgendwelche Inlämningsuppgifter, Laborations, Pappers, Projects oder sonstiges am Hals hat. Wie auch immer, in der dritten Periode hab ich mir ein bisschen viele Kurse aufgehalst. Im zweiten Jahr werd ich versuchen mir mehr Zeit zu nehmen um mich hier mal in den angrenzenden Ländern umzusehen.

Aber jetzt mal dazu was hier so seit meinem letzten Eintrag passiert ist. Nach meinen Prüfungen bin ich über Weihnachten erstmal knappe vier Wochen nach Deutschland geflogen und mal wieder Familie und Freunden zuhause gezeigt, dass sie eigentlich ganz froh sein können, dass ich so weit weg bin und sie nicht dauernd nerve. ;-) Nach einem kleinen Abstecher in die Siegener Botschaft Mittlerfrankens (insider), die sehr lustige und gesellige Abende mit den Botschaftsvertrauten organisiert hat, bin ich dann wieder nach Stockholm geflogen. Kurz darauf ging’s dann auch schon wieder los und zwar zum Snowboarden. J

Wir sind mit zwei voll beladenen Autos fünf Stunden nachts quer durch Schweden gefahren, um in unser Skigebiet Sälen nahe der norwegischen Grenze zu kommen. Selber bin ich ein gutes Stück gefahren um auch in den Genuss der Sitzheizung zu kommen. Dass ich dabei die Leistung dieses angenehmen Rückenwärmers voll in Anspruch genommen hab ohne zu verbrennen, fanden die anderen ganz besonders faszinierend. Stöten hieß unser kleines Dorf im Skigebiet in dem wir untergebracht waren. Direkt neben der Piste! Schnee hatten wir zwar reichlich, auch wenn Stöten nicht gerade hoch liegt, aber verdammt kalt war es jeden Tag. Einmal sogar -20°C. Deshalb war auch der einzige Sessellift geschlossen und wir mussten die ganze Zeit Schlepplift fahren. Eine Gondel wäre wirklich mehr als übertrieben gewesen, da man für eine Talabfahrt nicht mehr als 5-10 Minuten einrechnen musste. Als ich das erste Mal auf die Übersichtstafel des Skigebietes geschaut habe, war ich fasziniert. Grüne Pisten hatte ich noch nie gesehen und dann gleich so viele!! Meine Faszination wich schnell dem Entsetzen: grüne Pisten sind noch flacher als blaue Pisten! Naja, im kompletten Skigebiet waren gerade mal drei Pisten als schwarz ausgezeichnet und eigentlich hatte nur eine davon diese Farbe wirklich verdient. Wir haben uns deshalb immer wieder an einer Schanze versucht und auch das Grinden geübt…teilweise gibt’s das sogar auf Video zu bewundern. Mein bester Sprung oder besser gesagt ehr Sturz ist leider nicht dabei. Bei einem „1 80“ hab ich ungeplanter Weise noch einen „1 20“ in der Querachse eingebaut, sprich ich bin nicht auf meinem Board sondern mehr auf dem  Kopf gelandet. Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter…nächstes Jahr dann vielleicht doch ehr mit Helm. J

Wie üblich hier in Schweden haben wir natürlich jeden Abend schön Alkohol vernichtet und sind in die „Disko“ der Anlage gegangen. Dort wurde fast jeden Abend live Music gespielt und zwar richtig gute. Wie es so bei Skiweeks ist, haben sich dort immer die ein oder anderen für die entsprechende Nacht gefunden. Vielleicht hab ich dass nur noch nicht in anderen Skigebieten mitbekommen, aber in Schweden war das doch schon krass. Die letzten zwei, drei Lieder sind immer Schmusesongs und da wird dann immer alles klargemacht. Ich würde sagen, dass nur ca 50% der Schweden jeden Abend alleine nach Hause gegangen sind. Das fand ich doch irgendwie ziemlich erschreckend…oder zumindest krass.

Der Skiurlaub hat auf jeden Fall super viel Spaß gemacht und im zweiten Jahr wird das definitiv wiederholt, auch wenn es dann vielleicht ehr in ein Skigebiet geht, das ein bisschen größer ist.

Ach ja, bevor ich über Weihnachten nach Hause geflogen bin, hab ich nebenbei auch noch schnell einen Umzug getätigt. Am 5.Dezember bin ich nämlich mit Niels aus unserem schnuckeligen Doppelzimmer aus und ins Lappis Wohnheim eingezogen. Wohne jetzt genau gegenüber von Harald und Niels ist auch auf dem gleichen Korridor. Allerdings muss ich mich schon wieder um einen Umzug bemühen, weil man als Austauschstudent nur ein Jahr lang ein Zimmer gestellt bekommt. Für mein zweites Jahr muss ich mich selber bemühen. Mittlerweile hab ich 250 Tage auf der Warteliste, aber damit ich damit ein Zimmer bekomme, muss ich schon ein bisschen Glück auch noch haben. Naja, ich werde sehen. Ansonsten muss ich mich eben auf der Straße durchschlagen…da spar ich mir wenigstens die 330 € für die Miete. Und außerdem soll man ja auf der Straße auch ganz gut Geld verdienen können. ;-)

Ansonsten hab ich mir in den letzten Tagen auch endlich mal ein paar Museen angeschaut. Lise hat sich nämlich entschieden mich auch mal auf ein paar Tage in Stockholm zu besuchen. Hat mich sehr gefreut, dass mal wieder jemand die Zeit gefunden hat mich zu besuchen. Und ich glaube auch, dass Stockholm sie ziemlich überzeugt hat. Haben uns das berühmte Wasamuseum, das Wassermuseum Aquaria, das Schloß, das Stadthaus, das Ritterhaus, das Technikmuseum, das Architekturmuseum und das moderne Museum angeschaut. Zweimal sind wir auch auf ein kleines Studentenfest gegangen, aber das war untypischerweise leider nicht besonders toll. Aber es war trotzdem ganz lustig. Mal sehen, ob ich es auch noch schaffe einen Gegenbesuch in Trondheim zu starten bevor sie wieder nach Darmstadt aufbricht.

 

 

 

 

                   


   

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